Jeder fünfte Gründer ist Migrant

Migranten gründen überdurchschnittlich häufig Firmen und leisten damit einen wichtigen Beitrag für die deutsche Wirtschaft. Einer Untersuchung der KfW Research zufolge machen sich jedes Jahr durchschnittlich etwa 170.000 Migranten selbstständig, sie sind damit für jede fünfte Existenzgründung verantwortlich. Auch 2016 gingen 21 % der Gründungen auf Migranten zurück.

Auffällig ist die hohe Gründungsquote unter Migranten mit akademischem Abschluss. Akademiker sind zwar prinzipiell gründungsfreudiger, bei Migranten ist dies jedoch noch ausgeprägter. Die Gründerquote liegt unter akademischen Migranten bei 3,1 %, im Vergleich dazu beträgt die allgemeine Gründerquote von Akademikern 2,3 %. Diese Gründer sind jedoch nicht nur sehr gründungsaktiv, sondern sie brechen auch vergleichsweise selten ihre Projekte ab.

Im ersten Jahr geben 12 % und nach zwei Jahren 22 % der Gründer ihre Projekte auf. Die Abbruchquote unter Migranten ist dagegen deutlich höher als im Durchschnitt: Nach einem Jahr beenden 16 %, nach zwei Jahren 30 % ihre Gründungsprojekte wieder. Dies resultiert aus einer stärkeren Abhängigkeit vom Arbeitsmarkt. Ein wesentlicher Grund für Migranten, die Gründung zu wagen, ist häufig der Mangel an Jobalternativen. Die aus der Not geborenen Gründer geben ihre Selbstständigkeit jedoch schneller wieder auf, wenn sich die Chance auf einen attraktiven Arbeitsplatz bietet.

Insgesamt gehen Migranten ihre Gründungen offensiv an. Sie investieren mit durchschnittlich 32 Wochenstunden mehr Arbeitszeit in ihre Gründungsprojekte, verglichen mit 29 Wochenstunden eines durchschnittlichen Gründers. Zudem betreiben sie ihre Projekte häufiger als Voll- statt als Nebenerwerb und gründen häufig im Team, nur etwa die Hälfte macht sich alleine selbstständig. Außerdem schaffen migrantische Existenzgründer häufiger Arbeitsplätze: 39 % von ihnen beschäftigen Angestellte gegenüber 28 % der durchschnittlichen Gründer.

Unterschiede gibt es auch in der Gründungsfinanzierung. Migranten nutzen zwar genauso häufig und im gleichen Umfang Fremdmittel wie andere Gründer, doch nutzen sie seltener Bankdarlehen für ihre Gründungen. Sie greifen stattdessen häufiger auf Überziehungskredite und die Unterstützung von Freunden und Verwandten zurück.

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