Gästedelegation besucht Modellprojekte in Werdau

Von links nach rechts: Stefan Czarnecki, Oberbürgermeister Werdau; Prinz Stefan von und zu Liechtenstein, Botschafter des Fürstentums Liechtenstein bei der Bundesregierung der Bundesrepublik Deutschland; Sabine Löhmer, EHC Integrationsbüro Werdau; Ridda Martini, Vorstandsmitglied der Stiftung Soziale Dienste; Walter Noser, Mitglied Stiftungsrat Liechtenstein Languages; Prof. Dr. Jürgen Gramke, Vorstandsvorsitzender des Institute for European Affairs (INEA); Christian Kirsch, stellvertretender Vorsitzende des sächsischen Feuerwehr Landesverbandes; Cornelia Bretschneider, Leiterin des Sozialamtes, Landkreis Zwickau; Noureddine Ghoulbzouri, Stiftung Soziale Dienste; 2. Reihe: Frank Schubert, Dezernent Jugend, Soziales und Bildung, Landkreis Zwickau; Karsten Brückner, Regionalleiter European Homecare.

Gemeinsam mit dem Oberbürgermeister der Stadt Werdau (Sachsen), Stefan Czarnecki, haben am Dienstag, 20. Juni 2017 der Präsident des Deutschen Feuerwehrverbandes Dipl.Ing. Hartmut Ziebs und der stellv. Vorsitzende des sächsischen Feuerwehr Landesverbandes Christian Kirsch, Vertreter der Organisation Liechtenstein Languages, der Botschafter des Fürstentums Liechtenstein in Deutschland sowie Vertreter des Landkreises Zwickau und der Stiftung Soziale Dienste zwei Modellprojekte in Werdau besucht, um einen Tag lang praktische Integrationsarbeit kennenzulernen.

Die erste Station: das Integrationsbüro

Das Integrationsbüro ist eine gemeinsame Einrichtung des Landkreises Zwickau und der Stiftung Soziale Dienste, die Stadt Werdau ist Netzwerkpartner. Seit April 2017 unterstützt hier eine Sozialbetreuerin der Stiftung Migranten in Alltagssituationen, die diese aufgrund von Sprachschwierigkeiten und/oder bürokratischen Hürden nicht selbstständig meistern können. Ein Mitarbeiter des Landkreises Zwickau soll künftig diese Hilfeleistung verstärken.

Karsten Brückner, Regionalleiter European Homecare (EHC) und Leiter des Projektes „Integrationsbüro“ im Landkreis, gab gemeinsam mit Sabine Löhmer, Leiterin des Integrationsbüros in Werdau, einen praktischen Einblick in die tägliche Arbeit.  Vor allem bei Kontakt mit Behörden, Arztbesuchen und der Wohnungssuche sei schnelle und unbürokratische Hilfe nötig, die von den Unterbringungseinrichtungen aber auch von der Beratungsstelle des Bundes nicht mehr geschultert werden könne, erläuterte Sabine Löhmer. „Wir sind hier dafür da, dass alle Menschen, die an der Integration der hier bei uns angekommenen Migrantinnen und Migranten mitarbeiten, die notwendigen Informationen so schnell und unbürokratisch wie möglich erhalten“, so Löhmer.

Den Rat suchenden MigrantInnen sei oft am besten geholfen, wenn man die – selbst für Muttersprachler – oft in unverständlichem „Beamtendeutsch“ verfassten Briefe, Formulare und Anträge der verschiedenen Ämter in einfache Sprache übersetze und erläutere, was von den Betroffenen erwartet wird, erklärte Löhmer weiter.

Das Integrationsbüro hilft den Betroffenen zudem bei ihren alltäglichen Problemen. Die Mitarbeiter klären beispielsweise offenen Fragen mit dem Vermieter, helfen bei der Eröffnung eines Kontos oder beim Formulieren eines Lebenslaufes für die Bewerbung um einen Praktikumsplatz. Für einen Umzug müssen hin und wieder ehrenamtliche Helfer organisiert werden, die mit Pkw und Muskelkraft aushelfen. „Das sind alles Dinge, die die meisten von uns nebenher erledigen können. Für die MigrantInnen aber sind solche Anforderungen oft riesige Hürden im Alltag, vor allem, weil sie nicht wissen, an wen sie sich wenden können. Wir, die Stiftung und die Stadtverwaltung, sind sozusagen Problemlöser, Lotsen bei der deutschen Alltagsbewältigung“, so Löhmer.

Von links nach rechts: Dipl.Ing. Hartmut Ziebs, Präsident des Deutschen Feuerwehrverbandes; Ridda Martini, Vorstandsmitglied der Stiftung Soziale Dienste; Stefan Czarnecki, Oberbürgermeister Werdau; Prof. Dr. Jürgen Gramke, Vorstandsvorsitzender des Institute for European Affairs (INEA); Christian Kirsch, stellvertretender Vorsitzende des sächsischen Feuerwehr Landesverbandes; Prinz Stefan von und zu Liechtenstein, Botschafter des Fürstentums Liechtenstein bei der Bundesregierung der Bundesrepublik Deutschland; Karsten Brückner, Regionalleiter European Homecare; Walter Noser, Mitglied Stiftungsrat Liechtenstein Languages; Noureddine Ghoulbzouri, Stiftung Soziale Dienste.

Die zweite Station: das Bildungswerk der Sächsischen Wirtschaft und das Modellprojekt MIM

Zweite Station war anschließend das Bildungswerk der Sächsischen Wirtschaft (BSW). Jens Särchinger, Leiter des BSW in Werdau, gab den Gästen einen kurzen Überblick zur Geschichte dieser Einrichtung der Arbeitgeberverbände. Die Kernaufgabe des Bildungswerkes ist, die Aus- und Weiterbildung von Fachkräften für die Region sicherzustellen. Speziell mit dem Modellprojekt zur Integration von Migranten (MIM), das am 1. März 2017 gemeinsam mit European Homecare anlief, sollen vorhandene berufliche Fachkompetenzen der MigrantInnen in Werdau festgestellt und gegebenenfalls durch eine passende Ausbildung ausgebaut werden. Bei diesem Projekt arbeiten das BSW und EHC zusammen, wobei das BSW ausbildet und EHC die soziale Betreuung übernimmt.

„Manchmal fällt es nicht leicht, den MigrantInnen zu vermitteln, warum eine berufliche Ausbildung so wichtig ist, dass es von Vorteil ist, nicht direkt als Hilfsarbeiter loszulegen“, erklärte Sandra Leitholdt, Jobcoach beim BSW. „Viele MigrantInnen wollen sofort arbeiten und können nicht nachvollziehen, warum sie Zeit und Geduld in eine solide Sprachkompetenz und in eine Fachbildung investieren sollen. Gerade der Spracherwerb fällt vielen Migranten schwer“, so Leitholdt weiter. Dies liege auch daran, dass die übliche Vermittlung in Deutschland über Lehrbücher und oft im Frontalunterricht stattfände, was um so eher ermüde, je weniger die Lernenden verstehen.

Ihrem Bedürfnis nach sinnvollen Tätigkeiten während des laufenden Asylverfahrens können Asylbewerber und Migranten in den sogenannten Flüchtlingsintegrationsmaßnahmen (FIM) nachkommen. Im Rahmen dieser FIM-Projekte werden zunächst die handwerklichen und beruflichen Kompetenzen der MigrantInnen festgestellt; in Werdau stehen dafür verschiedene Bereiche zur Verfügung: Reparaturen von Parkbänken und Mobiliar aus städtischen Einrichtungen, Arbeiten im Garten- und Landschaftsbau, gastronomische Hilfsarbeiten sowie Reparaturen und Aufbereitungen von Altfahrrädern. 

Daran anschließend soll im Rahmen des Modellprojektes zur Integration von Migranten (MIM) und EU-Eingereisten eine stabile Einbindung sowohl in das regionale Wohnumfeld als auch in den örtlichen Arbeitsmarkt erreicht werden. BSW und EHC engagieren sich im Rahmen dieser Projekte stark mit dem Ziel, für jeden interessierten Migranten eine berufliche Perspektive zu finden.  Bewerbungstrainings und Coachings, das Kennenlernen der regionalen Arbeitskultur und die Vermittlung von Praktika helfen dabei, die sozial- und berufspädagogische Unterstützung und Begleitung bis in die Anfangsphase des Arbeitsverhältnisses dient zudem als Stabilitätsfaktor mit dem Ziel, geeignete MigrantInnen in Werdau und Umgebung dauerhaft zu halten. Beatrice Schäfer von European Homecare ist mit Sandra Leitholdt im gemeinsamen MIM-Projekt Ansprechpartnerin für die berufliche Integration der MigrantInnen. Sie bestätigte, dass viele der Migranten sich sehr engagiert den angebotenen Arbeiten widmeten. So wurden etwa 40 Räder für den Deutschen Evangelischen Kirchentag Ende Mai dieses Jahres flott gemacht und den Kirchentagshelfern in Wittenberg zur Verfügung gestellt.

Das Projekt „together“ wird zu 90 Prozent vom Freistaat Sachsen und zu 10 Prozent von der Stiftung Soziale Dienste finanziert. Die Modellprojekte MIM / FIM finanzieren sich komplett selbst.

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